Samstag, 1. Oktober 2016

Teuer? .... Günstig? .... Billig?

In letzer Zeit, sehe ich vermehrt Fragen und Aussagen, die mich ein bisschen ins grübeln bringen. Eigentlich sind es Fragen und Aussagen, mit denen ich mich auf den Märkten immer rumschlage. Fragen über den Preis einer Ware.

"Würdet Ihr für eine digitale Anleitung mehr als 20€ ausgeben?"
"Diese Mütze für 50€ ist viel zu teuer!"
"Bei ... ist das Garn aber billiger!"

Klare Antwort von mir: "Es kommt drauf an!"

Wieviele Seiten hat die Anleitung?
Was wurde für ein Garn verwendet?
usw. usw.


In einer Anleitung z.B. stecken viele Stunden arbeit:
  • Zuerst muss man natürlich wissen, worüber man eine Anleitung schreiben möchte.
  • Dann folgen Umsetzung, Probearbeiten, Notizen
    •  der "Prototyp"
  • Nun kommt das schwierigste: Arbeiten, Fotografieren, weiter Notieren
    •  Für mich war es bei meinen Anleitungen der langwierigste Teil, denn ich wusste ja, wie es geht, aber die Arbeit musste für mehrere Fotos immer wieder unterbrochen werden. Zudem müssen evtl. Skizzen angelegt werden.
  •  Ist diese Arbeit erledigt, kommt das Design der Anleitung. Ein Arbeitsschritt der nicht weniger zu verachten ist!
    • Die Bilder müssen bearbeitet werden, dass sie sich optisch in die Anleitung fügen. Die Texte müssen geschrieben werden, und zwar so, dass jeder Anfänger versteht, was gemeint ist. (Letzteres sollte zumindest der Fall sein!)
Ich glaube dies sind die wichtigsten Punkte auf der Liste, die in die Arbeit zum Erstellen einer Anleitung beschreiben. Ich finde es ist wichtig, den Umfang der Anleitung zu sehen. Eine 10 Seitige Anleitung, mit wenig Bildern für 23€ finde ich zu teuer. Hat die Aleitung aber z.B. 50 Seiten oder mehr, finde ich den Preis im Verhältnis wieder annehmbar.



Auch in einer Mütze steckt viel Arbeit:
  • Zuerst einmal, kommt es natürlich auf das Garn an, aus der die Mütze gearbeitet wurde.
    • Ist es das Schurwoll- Filzgarn wo 50g =2,99€ kosten, oder ist es doch vielleicht ein Alpaka- oder Kashmeregarn.
    •  Ist das Garn handgefärbt oder vielleicht sogar handgesponnen?
  •  Dann kommt es natürlich darauf an, wie ist die Mütze gearbeitet. Welche Technik wurde verwendet: Stricken, Häkeln, Nadelbinden, Mischtechnik
  • Jede Technik erfordert ihre Zeit, die Eine mehr, die Andere weniger. Den meisten Handarbeitsbegeisterten fällt es nicht auf wieviel Zeit für ein Werkstück ins Land geht, da es ja ein entspannendes Hobby ist. 
    • z.B. eine Freundin von mir näht für ihr leben gern, und das kann sie auch sehr gut.
      Ich habe ihr den Auftrag gegeben, dass sie mein Hochzeitskleid näht. Kein weißes mit spitze, nein, ein vermeintlich einfaches Mittelalterkleid.
      Zu diesem Kleid hatten wir bereits ein Modell, von dem sie gearbeitet hat. Schnittmuster anlegen, Probekleid nähen, zuschneiden, immer wieder anprobieren, nähen.
      Sie hat sich erschrocken wie lange sie für dieses Kleid gebraucht hat, denn normalerweise, hält sie die Stunden nicht nach.
  • Ein weiterer Punkt ist, woher kommt das Werkstück? Andere Länder haben andere Preise.
  • Hat derjenige vielleicht ein Gewerbe damit?
    • So komisch es klingen mag, an den Preisen erkennt man, wer es aus Hobby macht, oder wer es gewerblich betreibt.
      Nicht alle Gewerbetreibenden müssen davon leben, dass ist richtig, aber viele verdienen sich damit zusätzliches Geld.
      Viele verkaufen ihre Socken für 5€, weil ihnen das Sockenstricken ja spaß macht und abends, nebenbei beim Fernsehen läuft.
      Andere versuchen aber schon ein wenig ihre Unkosten bezahlt zu bekommen, dazu zählt auch die Arbeitszeit, denn es ist schließlich auch Handarbeit.
Ich denke auch hier habe ich die wichtigsten Punkte aufgeführt.


Auch Garne/ Fasern färben und Fasern zu Garn spinnen ist nicht in 5 Minuten erledigt!


Beim Färben fließen folgende Faktoren ein:
  • Die Färbungen werden von den Färberinnen nicht auf 10.000m gemacht, sondern eine Färberin kennt jeden ihrer Stränge! 
  • Sie kauft ihre Rohgarne und Fasern bei einem Hersteller, mit dem sie mehr oder weniger Kontakt hält, wo sie nachfragen kann, wenn irgendwas unklar ist.
  • Sie kauft die Farben, notiert sich jede Farbmischung, jedes Rezept und entwickelt jede Kombination selbt. Sei es das sie nur Einzelstücke färbt, oder serielle Unikate.
  • Das Färben der Garne geschieht meist in einer kleinen Färbeküche, in Töpfen. 
    • Strom, Gas und Wasser gibts nicht in einer Flatrate
  • Der Unterschied ob Garne oder Fasern mit Säurefarben, oder mit Pflanzenfarben gefärbt wurden spielt schon ebenfalls eine Rolle.
    • z.B. Bei Pflanzengefärbten Garnen und Fasern, ist die Arbeit oft Zeitaufwendiger, als bei mit Säuregefärbten.
      Bei Pflanzengefärbten kann man zwischen 1-4 Stunden je nach Beize, Färbedroge, Nachentwicklung etc. rechnen. (Ohne Wartezeit)
      Bei Säurgegefärbten zwischen 10Minuten und 1,5Stunden. (Ohne Wartezeit)
Fasern zu Garn spinnen, ist oftmals ein Job, bei dem man weniger als 1€ verdient.


Am Ende ist es der Verbraucher, der Käufer, der Konsument der entscheidet ob etwas "zu Teuer", "sehr Günstig" oder "Billig" ist.
Denn er kauft, nach seinen Qualitätsansprüchen.

Ich als Handwerker, denn Handarbeit ist Handwerk, möchte mich nicht unter geleistetem Wert verkaufen.

Ich stecke bewusst Energie und Herzblut in meine Arbeit, nicht nur in meine kreativen Werke die ich verkaufen möchte, sondern auch in alles andere was "im Hintergrund passiert".

Handarbeit ist heute ein Luxusgut, wärend es früher Lebensnotwendig war.


Ich für meinen Teil, hinterfrage den Wert von etwas immer. Aber ich habe über die Jahre gelernt zu Differenzieren. Ich pauschalisiere nicht mehr mit "Das ist zu teuer!" ich sage mittlerweile "Die Arbeit ist es Wert, aber ich kann/ möchte diesen Preis nicht bezahlen."


Ich hoffe ich habe mich einigermaßen Verständlich ausgedrückt, mit dem was ich klar machen wollte.

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende
Liebe Grüße
Eure Lika

1 Kommentar:

  1. Das hast du super geschrieben, ich weiß genau was du meinst - und es ist traurig, das für Handgearbeitete Dinge einfach nichts gezahlt werden will. Und gerade viele Hobbyisten machen die Preise kaputt, die sehen einfach nicht die arbeit die darin steckt.
    Ich färbe Wolle mit Pflanzenfarben und verkaufe meinen Überschuss auch auf Märkten, aber immer zum selben Preis, wie die Händler wie Ort - den meine Arbeit ist nicht weniger Wert, nur weil ich davon nicht leben muss.

    Es wäre schön, wenn es endlich mal verbreiten würde, das Handarbeit einen hohen Wert hat und nicht einen geringeren als Massenproduziertes!

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